Elektroheizstab
Wann lohnt sich das PV-Überschussladen des Boilers mit dem Elektroheizstab?
- Rolf Schneider
- 03.02.2025
Ein häufiges Ziel von Photovoltaik-Betreibern ist es, einen nachhaltigen Beitrag zur Energiewende zu leisten. Gleichzeitig spielt jedoch auch die Rentabilität der PV-Anlage eine zentrale Rolle. Die entscheidende Frage lautet: Wann hat sich meine Investition amortisiert?
Durch die Preisstruktur von Stromkosten, Netznutzungsgebühren und Einspeisevergütungen liegt der Fokus oft darauf, den Eigenverbrauch zu maximieren – also möglichst viel der selbst erzeugten Energie direkt zu nutzen. Dies kann durch verschiedene Massnahmen geschehen, wie zum Beispiel:
- Überschussladen von Elektrofahrzeugen
- Erhöhung der Raumtemperatur mittels Wärmepumpe
- Erhitzen des Brauchwassers mit einem Elektroheizstab
In der folgenden Grafik ist eindrücklich zu sehen, wie der Eigenverbrauch der eigenen Produktionsleistung folgt, wann immer der Boiler wieder aufgeheizt werden kann.
Der Vorteil dieser Methoden: Tagsüber wird günstiger PV-Strom genutzt, wodurch nachts weniger Strom aus dem Netz bezogen werden muss. Dadurch soll die Rentabilität der PV-Anlage gesteigert werden. Doch ist das wirklich der Fall?
Effizienz: Elektroheizstab vs. Wärmepumpe
Eine wichtige Grösse, die oft übersehen wird, ist die Effizienz. Ein Elektroheizstab benötigt 1 kWh elektrische Energie, um 1 kWh Wärme zu erzeugen. Eine Wärmepumpe hingegen benötigt für dieselbe Wärmemenge nur 0.3 bis 0.5 kWh elektrische Energie (bei einem COP von 2–3).
Zur besseren Veranschaulichung stellen wir uns folgendes Szenario vor:
In Ihrem Garten steht ein Apfelbaum, der 3 kg Äpfel liefert. Aktuell können Sie aber nicht alle verwerten, müssten stattdessen die Äpfel trocknen, um sie später zu essen.
Sie könnten diese Äpfel jetzt für 1 CHF pro kg verkaufen und später im Supermarkt 1 kg Äpfel für 2 CHF kaufen. Was tun Sie?
- Sie trocknen die 3 kg eigenen Äpfel, ihnen bleibt aber nur 1 kg übrig (ein Drittel). Haben Sie damit 3 CHF gespart (3 kg à 1 CHF/kg) oder sogar 6 CHF, weil Sie keine Supermarkt-Äpfel kaufen mussten (3 kg à 2 CHF/kg)?
- Eine effizientere Lösung: Sie verkaufen Ihre 3 kg Äpfel für 3 CHF und kaufen später im Supermarkt nur 1 kg für 2 CHF. Dadurch bleibt Ihnen 1 CHF übrig.
Die wirtschaftliche Betrachtung
Übertragen wir dieses Prinzip auf den Vergleich zwischen Elektroheizstab und Wärmepumpe:
- Die Wärmepumpe nutzt den Strom etwa dreimal effizienter als der Elektroheizstab.
- Das Verhältnis zwischen Strompreis und Einspeisevergütung liegt je nach Region (z.B. Primeo) bei etwa 2.3:1 (Strompreis: 35 Rp/kWh, Einspeisevergütung: 15 Rp/kWh). Das bedeutet, dass der Strompreis 2.3‑mal höher ist als die Einspeisevergütung – also weniger als das Effizienzverhältnis der Wärmepumpe (3:1).
- In diesem Fall verschlechtert die Nutzung eines Elektroheizstabs die Rentabilität der PV-Anlage, da mehr günstige Einspeisevergütung aufgegeben wird, als durch die Einsparung von Netzstrom gewonnen wird.
Fazit
Das PV-Überschussladen des Boilers mit einem Elektroheizstab lohnt sich nur, wenn der Strompreis mindestens dreimal höher ist als die Einspeisevergütung. Ist dieses Verhältnis kleiner, ist es wirtschaftlicher, den überschüssigen Strom einzuspeisen und das Brauchwasser stattdessen mit einer effizienteren Wärmepumpe zu erhitzen.
Gemäss energieheld.ch liegt die durchschnittliche Einspeisevergütung in der Schweiz im Jahr 2025 bei rund 14 Rp/kWh und gemäss ElCom liegt der durchschnittliche Strompreis im Jahr 2025 bei rund 29 Rp/kWh. Das bedeutet den Einsatz eines Elektroheizstabes rechnet sich unter diesen Umständen nicht!
Wichtig zu beachten ist, dass sich die Rahmenbedingungen kontinuierlich verändern. In den letzten Jahren waren sowohl die Strompreise als auch die Einspeisevergütungen verhältnismässig starken Schwankungen ausgesetzt. Wir von connectedHome empfehlen daher lieber in ein adaptives EMS (hier erfahren Sie mehr dazu) zu investieren als in einen Elektroheizstab.
